Früher war alles einfacher – auch Marketing

Der Erklärungsversuch eines Laien…

Ich bin Informatiker – und das mit Leib und Seele. Daher tauge als Marketingfachmann nur sehr bedingt. Obwohl ich sowohl in meiner früheren, sowie meiner aktuellen Tätigkeit durch Fachleute geduldig an das Thema herangeführt wurde, traue ich mir nicht mehr als eine laienhafte Einschätzung zu. Meine Marketing-Erfahrung entspringt hauptsächlich zweier toller Unternehmen. So durfte ich den Marken Re-launch für ca. 700 McCafé-Einheiten (mit toller Unterstützung der Marketingabteilung und unserer Agentur) verantworten und habe heute die Rolle als CMO der Acrelec Group inne. Durch Literatur und viele Gespräche mit tollen Kollegen wie z.B. Thomas von Wichert (Danke, Thomas für die Sicht auf Marke als treibendes Element) habe ich versucht am Puls der Zeit zu bleiben.

Der Ausgangspunkt

Als es das Internet und die sozialen Medien noch nicht gab, war Marketing noch einfach(er). Sowohl für den Anbieter, wie auch für deren Gäste / Kunden.

Funktionierende Kampagnen wurden in schöner Regelmässigkeit modernisiert, verbreitert und wiederholt. Marketingkalender konnte für 18 Monate im Voraus geplant und „in Ruhe“ abgearbeitet werden.  Marketing, Einkauf, Produktentwicklung, IT und Operations waren komplett getrennte Silos mit eigenen Prozessen, Prioritäten und (Gott sei Dank) wenig Schnittstellen.

Es gab eine überschaubare und lange Zeit stabile Anzahl von bespielbaren Kanälen: TV, Print und Radio. Die Anbieter hatten klare Zielgruppen, welche relativ gut den jeweiligen Kanälen zugeordnet werden konnten. Natürlich war da auch etwas weniger Konkurrenz – höchstens einige Nachahmer – welche dem Anbieter in seiner Strategie noch eher schmeichelte.

Probleme, Probleme, Probleme!

Was macht den Marketingverantwortlichen in den Unternehmen heute zu schaffen?

Sicherlich die „jüngere“ Konkurrenz des Unternehmens, welche mit Risikokapital-gestützten Mut alle vorhandenen Kanäle nutzen kann und keine „Altlasten“ wie eine stetig wachsende Produktpalette, Erfolgsdruck, fehlende Fokussierung auf Zielgruppen, compliance, usw. mit sich herumschleppen muss. Auch die Start-Ups und die „digital Natives“, welche das Internet und die sozialen Medien mühelos bespielen, die immer kürzer werdenden Aufmerksamkeits- und Plattform-Zyklen beherrschen, den zusätzlichen Aufwand und das daraus entstehende Chaos mit einem Lächeln meistern.

Zu allem Übel haben es die Unternehmen noch mit den am besten vernetzten und am besten informierten Kunden / Gästen aller Zeiten zu tun. Soziale Medien und Internet erlauben es dem Kunden jederzeit und überall Produkte und Preise detailliert zu vergleichen, zu bewerten, zu kritisieren oder auch mal zu loben. Die Meinungen andere Kunden / Gäste werden gehört, gelesen und gesehen. Schlimmer noch werden die Meinungen (meist) als ehrlicher, authentischer und glaubhafter eingestuft als all die hart erarbeiteten Marketingbotschaften.

Die „Message“ selbst scheint ebenfalls nicht mehr das Problem zu sein, sondern die Fähigkeit diese zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Kanal an den (potentiellen) Gast, bzw. Kunden bringen zu können. Meine erste „Lehrstunde“ bei einem großartigen Marketeer bei McDonald’s, hat mir die einfache Frage ob eine Kampagne ein Frequenz- oder Umsatztreiber ist nahe gebracht. Ich bin mir nicht mehr sicher, dass dies noch ausreicht. Neue und sich stetig wandelnde Kanäle haben m.E.n. neue und sich steig wandelnde Kampagnen-Ziele zur Folge.

Was habe ich gelernt?

Da ich mir nicht anmaße Ratschläge oder Lösungen anzubieten, möchte ich mich darauf konzentrieren zu teilen, was ich aus der Situation für mich gelernt habe.

Zusammengefasst möchte ich auf eine alte Binsenweisheit zurückgreifen, welche aber für mich zur wichtigsten Erkenntnis wurde. Um zu lernen was der Kunde erwartet muss man diesen kontinuierlich und auf Augenhöhe begleiten. Man muss als Partner des Kunden auftreten, diesem zuhören und Produkte anbieten, welche sich der Kunde wünscht. Es reicht nicht mehr zu versuchen – im Labor erdachte Produkte – mit möglichst viel Lärm anzupreisen und mit möglichst viel Profit zu verkaufen. Der moderne Kunde / Gast erwartet Authentizität, Fairness und Ehrlichkeit und dies ohne Kompromisse machen zu wollen.

Zum Abschluss noch ein wichtiger Punkt, welcher eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber sehr oft zu wünschen übrig lässt:  die gelieferte Produktqualität sowie der gebotene Service müssen im Laden bzw. Restaurant mit der Botschaft der Marke sowie der Botschaft der aktuellen Kampagne übereinstimmen. Wird dies am Ende des „Verkaufstrichters“ nicht erreicht, war alle Arbeit umsonst und werden wir den Kunden sehr schnell und ggf. dauerhaft an die Konkurrenz verlieren.

Vielen Dank fürs lesen!!

 

 

Der Vollständigkeit halber möchte ich die Quelle einiger Ausführungen innerhalb dieses Artikels nicht unerwähnt lassen: brand eins / Heft 02 / Februar 2015

Share on LinkedInShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on PinterestEmail this to someone