Die Revolution der kontaktlosen Bezahlung

Während die, als großer Wurf für mobile Bezahlsysteme angekündigte NFC (Near Field Communication) noch auf Standards, Anbieter und Kunden wartet, etabliert sich still und heimlich ein neuer Standard: Bluetooth Smart oder BLE (Bluetooth Low Energy).

 

picture of an estimate iBeacon with an iPhone

Estimote (c) beacon

Mögliche Einsatzszenarien

Die Möglichkeiten der Technologie sind vielfältig. Speziell im Handel und der Systemgastronomie könnte BLE den Durchbruch der bereits mit NFC diskutierten, kontaktlosen Szenarien bedeuten. Ich habe nur einige wenige Beispiele grob angerissen, welche in meinem Fachgebiet liegen. Natürlich gibt es innerhalb und ausserhalb von Handel und Systemgastronomie noch vielfältige Einsatz-Möglichkeiten.

Das kontaktlose Loyalty system

Durch BLE lassen sich Loyalty Systeme implementieren, welche ohne flächendeckende Verbreitung von Technologien nur sehr schwer möglich gewesen wären.

So kann z.B. schon der Besuch eines Kunden durch Coupons, Sonderangebote, Punkte, etc. belohnt werden. Da im ersten Schritt nur das Endgerät des Kunden benötigt wird, erfolgt Integration in den Store ohne massiven Eingriff in die Operations Prozesse oder zusätzliche Aufgaben für die Belegschaft.

Der Tisch-Service in der Systemgastronomie

BLE ist die perfekte Ergänzung von mobilen Bestellsystemen oder dem „dual point“ Service, bei dem Bestellung und Bezahlung getrennt von der Abholung stattfinden.

Wenn sich im Gastraum mehrere iBeacons befinden, kann der Gast auf ca. 1 Meter genau lokalisiert werden. Dies erlaubt es dem Betreiber, dem Gast die bestellten Speisen direkt an den Tisch zu servieren.

Bei mobilen Bestellsystemen besteht die Schwierigkeit im rechtzeitigen (nicht zu früh, nicht zu spät) Start der der Produktion. Hier kann BLE einen großen Vorteil bieten. Z.B. kann der Gast beim Eintritt in das Restaurant identifiziert werden. Die Bestell-App holt sich vom Gast die Bestätigung und startet die Produktion. Kombiniert mit dem Tisch-Service entsteht hier ein neues Gäste Erlebnis.

Da nicht Gerät des Gastes, sondern der – unter Kontrolle des Betreibers befindliche – Server die Kommunikation steuert, ist eine Schnittstelle zum Kassensystem (POS) oder BackOffice System (BOS) mit begrenztem Aufwand möglich.

Das kontaktlose Bezahlsystem

Konsequenterweise muss an dieser Stelle die Möglichkeit der kontaktlosen Bezahlung angesprochen werden. Natürlich auch weil mein provokanter Titel dies verspricht 🙂

Die Implementierung über sogenannte eWallets, integriert in die Betreiber-Apps, macht hier Sinn. Durch die wesentlich höhere Reichweite im Vergleich zu NFC, kann auch hier ein Vorteil von BLE erkannt werden. Die nahtlose Integration in die Apps der Anbieter und Betriebssysteme der Hersteller, sowie die ersten Produkte von Bezahldienstleisternm wie Paypal mit den Paypal-Beacons macht Mut.

 

Estimote beacon

Estimote (c) beacon

Was ist Bluetooth smart oder BLE?

Bluetooth smart oder BLE (Bluetooth Low Energy) ist in die aktuellen Bluetooth 4.0 Spezifikation integriert und erlaubt einen kabellosen Datenaustausch über Distanzen bis zu maximal 12-15 Metern.

Durch die „Low Energy“ Implementierung des Protokolls kommen die BLE-Sensoren, bzw. -Sender mit sehr wenig Energie aus. Eine Knopfzellenbatterie gewährleistet daher einen längerfristigen Betrieb (die aktuellen Anbieter sprechen von 12-24 Monaten). Dies erlaubt neben der klassischen Varianten mit Computern und Smartphones auch den Einsatz in speziellen BLE-Sendern oder Dingen des alltäglichen Gebrauchs, ausgestattet mit speziellen Sendern den (engl. Beacons). Hier beginnt das „Internet der Dinge„. Spezielle Beacon wie z.B. die von Estimote werden im 3er set für Entwickler für schon ca. 75 € angeboten.

Die Datenübertragungsraten sind bei BLE allerdings begrenzt und dienen hauptsächlich zur Übermittlung von Signalen oder zum Verteilen kleinerer Datenmengen.

Größere Flächen wirr z.B. Restaurants oder Läden, können mit mehreren, Beacons abgedeckt werden. Dieser vernetzte Einsatz erlaubt die Lokalisierung von Kunden auf ca. 1 Meter genau.

Wie funktioniert BLE?

Sehr vereinfacht erklärt, identifiziert bzw. identifizieren die Beacons ein, in Reichweite befindliches Bluetooth smart ready Gerät und erlauben so, eine gezielte Kontaktaufnahme. Durch den eindeutige Identifier (20 bytes) des Beacon lässt sich somit auch der Standort bestimmen. Durch eine App oder dem Betriebssystem erfolgt dann die Kommunikation zum Bluetooth smart ready Gerätes Kunden oder Gastes.

Picture how iBeacons work

Estimote (c) drawing

Grundsätzlich sei erwähnt, dass die Beacons kein Sende-Maschinen sind, welche jedes in Reichweite befindliche Smartphone / Computer mit Informationen fluten und damit die Benutzer in den Wahnsinn treiben.

Benutzer werden nur mit Push-Nachrichten versorgt, wenn er diesen explizit zugestimmt hat. Dies geschieht überreicher weise durch ein „Opt-In“ in den jeweiligen Apps des Anbieters oder durch eine generelle Erlaubnis über das Betriebssystem, wie z.B. iOS7 oder Android 4.3.

 

Logos von Firmen die BLE bereits unterstützen

Wer unterstützt bereits BLE?

Apple hat bereits mit der Einführung des iPhone 4s, dem iPad, dem MacBook Air und dem MacBook pro reagiert und die neueste Bluetooth Version ab 2011 in die Geräte integriert. Da Apple auch in den neuesten Generationen von iPad Air, iPhone 5s/c und iPad mini auf die Integration von NFC verzichtet hat, wird sich in Richtung NFC seitens Apple wahrscheinlich auch zukünftig nichts bewegen.

Mit der der Einführung von iOS 7und OS X Mavericks wurde die Integration von Bluetooth smart / BLE seitens Apple vervollständigt und ist auf einem guten Weg die weitere Entwicklung mobiler Bezahl-, Loyalty- oder Couponing-Systeme stark zu beeinflussen. Apple hat der Technologie auch einen neuen i-Namen spendiert und nennt die Apple Implementierung von Bluetooth Smart oder Bluetooth Low Energy: iBeacons.

Richtig interessant wird es aber, wenn man sich die Entwicklung von Bluetooth smart / BLE bei anderen Größen der Szene ansieht:

  • Google’s Android unterstützt BLE ab Jelly Bean (4.3)
  • Windows 8 unterstützt BLE für Tablets, Smart Phones und Desktops
  • Blackberry unterstütz BLE in den Modellen Z10 und Q10

Durch die Strategie der „stillen Revolution“ erzeugen die Hersteller eine kritische Masse von Anwendern. Werden dann Programme, Apps, etc. für diese Technologie entwickelt und auf den Markt gebracht, kann der Anbieter bzw. der Entwickler von Anfang an auf ein auf eine große Anzahl potentieller Kunden vertrauen.

Fazit

BLE hat durchaus das Zeug zur „Killer-App“. Das große Interesse, sowie erste Pilot- und Laborinstallation meiner Kunden, erlauben mir dieser Technologie durchaus gute Zukunftschancen zu bescheinigen. Es erinnert mich etwas an die Jahre 1976 -1980 als sich VHS gegen die quasi Standards: Betamax und Video200 durchgesetzt hat. Man wird sehen….

 

Vielen Dank für Ihr Interesse…

 

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